Die Krönung der Wiehler Jazztage 2012 zum Schluss

(17. Mai 2012) Mit der „Königin der Kirchenorgeln“ – Barbara Dennerlein – endeten die diesjährigen Internationalen Wiehler Jazztage. Besser hätte der Abschluss nicht sein können. Sozusagen trafen sich hier zwei Königinnen, denn die Kirchenorgel wird als Königin der Instrumente bezeichnet.
Foto und Video: Christian MelzerFoto und Video: Christian Melzer Mit Respekt, mit Passion und jener überbordenden improvisatorischen Spielfreude, des Jazz, nähert sich Barbara Dennerlein diesem riesigen Instrument. Dabei sei jede Kirchenorgel anders, verrät die Münchner Künstlerin. Jedes Mal stehe man vor einem neuen Instrument, jedes Mal eine andere Akustik. Aber genau das sei das Spannende: „Man ist richtig gefordert zu improvisieren“. Das ist für eine Jazzmusikerin natürlich eine tolle Herausforderung. Mit dem „Blues March“ von Benny Golson eröffnete sie das brillante Konzert.

Sie offenbarte mit ihrem Spiel auf der Wiehler Kirchenorgel Vehemenz und Sensibilität, virtuose Technik und Phantasie, eine unverwechselbare Anschlagskultur und einen untrüglichen Sinn für Dynamik. Und das bei jedem Stück! Ob bei „Night Owls“, wo sie demonstrierte, wie leise die Orgel bespielbar ist und wie sie atmet. Es hörte sich fast an, wie leises Blätterrauschen im Wald. Oder dem „I-797“ in dem sie ihren Stress verarbeitete, den sie vor einer Konzerttour in Amerika hatte. Damals ließen die Einreispapiere endlos auf sich warten und kamen sozusagen auf den letzten Drücker. Andere gingen dann auf die Couch zum Psychologen, so Dennerlein – sie verarbeitete dies in einer Komposition. Damit drückte sie eindrucksvoll die Anspannung aus. Mit viel hin und her und schließlich doch mit einem Happy-End.

Orgelspiel sei eine anstrengende Arbeit – aber auch eine vergnügliche. Es habe immer viel mit Bewegung zu tun und bei der Kirchenorgel mit viel Spiritualität. So hieß dann auch ein Stück „Spiritual Movement“ und auch einen „Holy Blues“ präsentierte sie im großen Gotteshaus. In der Hommage an New York, den „NY Impressions“ zeigte sie die Erhabenenheit des Instrumentes nach allen Regeln der Kunst, doch stets gewürzt mit den Ingredienzien des Jazz, selbst bei der eingeflochtenen Bach-Toccata in d-Moll. Eine weitere Hommage hatte Barbara Dennerlein für die Oberbergische Landschaft, die sie seit Montag bewundere, wie sie auf ihre sympathische Art verriet. „Green Paradise“, eine Latin-Komposition mit zum Teil ungeraden Takten.



Mit zwei Kameras übertrug der Veranstalter auf eine Großleinwand Nahaufnahmen der Künstlerin beim Spiel auf der Orgel ins untere Kirchenschiff. Gebannt schauten die Gäste zu, wie die Organistin mit einer Leichtigkeit über die Pedale und Tasten glitt und phänomenale Musikstücke zu Gehör brachte. Die Orgel der Evangelischen Kirche in Wiehl ist mit zwei Manualen, 26 Registern und 1.371 Pfeifen ausgestattet. Neun Register und 399 Pfeifen aus der alten Ibach-Orgel konnten für den Neubau im Jahre 1984 verwendet werden. Und auch bei ihrem zweiten Einsatz zusammen mit Barbara Dennerlein – bereits 2008 spielte diese bei den Jazztagen auf dieser Orgel – waren die Gäste verblüfft, was aus diesem Musikinstrument für Klänge gezaubert werden können. Ein zauberhafter und krönender Abschluss der Wiehler Jazztage mit den zwei musikalischen Königinnen – da gab es natürlich stehende Ovationen. Wer das Konzert verpasst hat oder Barbara Dennerlein dieses Jahr noch einmal hören möchte: am 10. Oktober spielt sie in der Kölner Philharmonie an der großen Orgel.

Vera Marzinski

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