Für eine bessere Zukunft von Frauen und Männern: Gleichstellungsarbeit 3.0

(15. September 2015) Auch die Wiehler Gleichstellungsbeauftragte Bettina Loidl war eine der Teilnehmenden an der Konferenz Gleichstellungsarbeit 3.0, der 23. Bundeskonferenz kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen in Rostock, auf der insgesamt 380 Kolleginnen aus allen Bundesländern in Workshops arbeiteten und sich austauschten.
Begrüßt wurden die Teilnehmerinnen von Bundesministerin Manuela Schwesig, die in ihrer eingehenden, dezidierten und motivierenden Rede folgende Schwerpunktthemen besetzte:
  • Flüchtlingsfrauen
  • Vereinbarkeit Familie und Beruf (Kinderbetreuung, Pflege )
  • Existenzsicherung von Frauen
  • Geschlechtergerechte Teilhabe in allen Bereichen der Gesellschaft (Politik, Führungsetagen, Berufsbildern etc)
  • Rahmenbedingungen/Qualitätssicherung der Frauen- und Gleichstellungsbüros
Flüchtlingsfrauen:
Frauen und Mädchen fliehen u. a., weil sie in vielen Ländern als Teil der Kriegsführung Gewalt ausgesetzt sind. Auch auf der Flucht werden sie häufig Opfer sexueller Gewalt. Sie brauchen in Deutschland besondere Hilfesysteme, um die erlebten Traumata zu bewältigen. Sie brauchen Schutz vor Gewalt und vor sexuellen Übergriffen in Gemeinschaftsunterkünften und sie brauchen Bildungsangebote, die u.a. berücksichtigen, dass viele von ihnen nicht lesen und schreiben können. Und sie brauchen niedrigschwellige Angebote zur Gesundheitsversorgung. Dazu sagte Bundesministerin Manuela Schwesig vor den Gleichstellungsbeauftragten: „Aktuell ist die Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen eine der größten Herausforderungen vor Ort. Besonders die Frauen und Kinder, die bei uns ankommen und Schutz suchen, sind durch Krieg und Gewalt schwer traumatisiert. Es ist notwendig, dass auf die Bedürfnisse dieser Frauen so gut es geht Rücksicht genommen wird. Dazu gehört eine angemessene Unterbringung ebenso wie der Zugang zu speziellen Beratungsangeboten.“

Vereinbarkeit Familie und Beruf
Die freiwerdenden Mittel aus dem Betreuungsgeld sollten in den Ausbau der Kindertagesstätten fließen. Fehlende Kinderbetreuung führt dazu, dass vor allem Mütter beruflich zurückstecken. Die Folgen: Fachkräftemangel, schlecht bezahlte Minijobs, niedrige Renten, Altersarmut. Das kann nur durch mehr Kinderbetreuungsplätze und eine gerechtere Arbeitsteilung zwischen Männer und Frauen verhindert werden Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig: „Es gibt mittlerweile viele Männer, die als Väter sagen: Auch ich will Zeit mit meiner Familie verbringen, ich will nicht nur zum Gutenachtkuss zuhause sein. Ich möchte auch in Teilzeit gehen, Elternzeit nehmen. Oft werden dafür Männer dafür noch schräg angeschaut. Deswegen sollten wir diese modernen Väter unterstützen. Wenn die Zeit für Familienaufgaben fairer verteilt ist, dann wird auch endlich die Arbeitszeit fairer verteilt. Dann kommen die Frauen aus der Mini-Teilzeitfalle und haben berufliche Perspektiven und bessere Einkommenschancen. Wir brauchen ein Gesetz zur Familienarbeitszeit und den Ausbau der Kitaplätze mit den freiwerdenden Mittel aus dem Betreuungsgeld“

Geschlechtergerechte Teilhaben
Es wurde immer noch nicht geschafft, Artikel 3, Absatz 2 des Grundgesetzes einzulösen „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“. Auch bei uns verdienen Frauen immer noch weniger als Männer (equal pay gap 23%). Frauen fehlen in Führungsetagen, im Kommunalparlamenten/Stadtrat und auf Bürgermeistersesseln. Mütter haben schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt als Väter. 39 % der Alleinerziehenden und ihre Kinder sind von Armut bedroht.
Alle politischen Kräfte, auf allen Ebenen sind aufgefordert endlich für Geschlechtergerechtigkeit und eine gute Zukunft von Frauen und Männern zu sorgen.

Rahmenbedingungen Frauen- und Gleichstellungsbüros
Das Profil der Funktion der Gleichstellungsbeauftragte deckt die ganze Palette der gesamtgesellschaftlich wichtigen gleichstellungspolitischen Themen ab, dabei müssen sie fachlich immer auf dem neuesten Stand sein und nachhaltig dafür sorgen, dass Gleichberechtigung vor Ort umgesetzt wird. Sie initiieren und steuern. Mit ihrer Arbeit fördern sie eine gleichberechtigte Gesellschaft. Dadurch erhöht sich u.a. auch der wirtschaftliche Erfolg für Alle!

Dazu Manuela Schwesig:
„Ich ärgere mich oft, dass die Arbeit die vor Ort die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten machen, gar nicht so wertgeschätzt wird, wie es eigentlich sein müsste. Ob eine Frau gute berufliche Chancen hat, ob die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen und Männer gut geht, ob genug Frauenhäuser und Beratungsangebote da sind, das entscheidet sich vor Ort. Und wenn wir nicht diese taffen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten vor ort hätten, dann hätten wir viel weniger und eigentlich bräuchten wir sogar noch mehr und das ist natürlich meine Aufgabe diese Arbeit zu unterstützen. Ich wünsche mir, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Ausstattung in den Kommunen/Kreisen für die kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbüros standardisiert, teils ausgebaut und einheitlich verbessert werden!“ Diese Aussagen honorierten 380 Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte mit anhaltendem Applaus.

Die Stadt Wiehl, Stadtverwaltung und auch die Politik haben diese geforderten Rahmenbedingungen weitgehend bereits vor mehr als 20 Jahren implementiert und immer als notwendig erachtet. Am 1. September war die Gleichstellungsbeaufragte Bettina Loidl, die Ihnen für Fragen, Beratungen und Austausch zu diesen und anderen Themen gerne zur Verfügung steht, 20 Jahre in dieser Funktion tätig. Kontakt: b.loidl@wiehl.de oder 02262/99212 oder persönlich im Büro 109 im Rathaus.