Mit dem Rollator sicher durchs Dorf

(10. April 2017) Dass die Bevölkerung nicht nur weniger, sondern auch älter wird, ist fast jedem bekannt. Dennoch wird den hieraus entstehenden Folgen zu wenig Beachtung geschenkt. Vor allem auf dem Land, wie dem Oberbergischen, bedeutet insbesondere die im Alter zu erhaltende Mobilität für jeden einzelnen nicht nur von A nach B zu kommen, sondern Mobilität bedeutet vor allem einen dem Alter entsprechenden Wirkungsradius und eine Lebensqualität zu erhalten.
Um diese zu erreichen, steht denjenigen, die auf Gehhilfen angewiesen sind, die fahrbare Gehhilfe „Rollator“ zur Verfügung. Doch der Umgang mit ihm ist nicht so einfach wie geglaubt wird. Zum einen ist es die Handhabung des Rollators selbst und zum anderen gibt es immer noch im deutschen Straßenverkehr viel zu viele Hindernisse, die abgebaut werden müssen und auch zum Teil ohne größere technische und finanzielle Anstrengungen abgebaut werden könnten. Solche Möglichkeiten haben die Straßenbauer noch nicht erkannt. Regeln, Richtlinien und teilweise nicht nachvollziehbare Verordnungen stehen hierbei immer noch an erster Stelle. Wer aber achtet hierbei auf die über 2 Mio. Rollatoren in Deutschland?! Allein in Wiehl gibt es schätzungsweise rund 500 - Rollstuhlfahrerinnen und –fahrer noch gar nicht eingerechnet.

Vor allem bei der Neugestaltung von Straßen, Wegen und Plätzen wird weiterhin nach althergebrachter Weise gearbeitet: Aufbauten müssen preisgünstig sein und sie müssen gut aussehen! Hinweise auf nicht zweckmäßiges Kopfsteinpflaster verpuffen. Rollatoren haben nun einmal keine Stoßdämpfer! Sicherlich sind größere Reifen vorteilhaft, doch nicht jeder Rollator kann mit solchen Reifen ausgerüstet werden. Standardmodelle, die die Krankenkassen überwiegend anbieten, besitzen solche Reifen i.d.R. nicht.

An Orten, an denen der Fußgängerverkehr mit Ampeln geregelt wird, ist die Grünphase für Nutzer mit Rollatoren viel zu kurz getaktet, um die gegenüberliegende Straßenseite zu erreichen. Vor allem, wenn viele Menschen die Straße queren wollen, ist ein Rollatornutzer oft der Letzte, der die andere Straßenseite erreicht.

Viele Nutzer von Rollatoren und Rollstühlen können den PKW zum Arzt und Behandlungsterminen noch bedienen. Sie finden aber oft keine geeigneten Parkplätze in der Nähe der Praxis vor. Oft sind diese von den Praxen so weit entfernt, dass ein Behandlungstermin gar nicht – mehr – möglich ist. Hier sind die kommunalen Behindertenbeauftragten und die örtlichen Seniorenberatungsstellen gefragt sich einzusetzen.

Immer mehr Senioren wohnen gemeinschaftlich in einem Haus oder haben eine Seniorenresidenz im Ortskern bezogen. Welcher Autofahrer weiß denn Bescheid, wo er besondere Rücksicht nehmen muss? Das Tempo-30-Schild wird viel zu oft ignoriert und reicht einfach nicht aus. Ein besonderes Verkehrszeichen würde an diesen Stellen schon sehr gute Dienste tun.

Und wie sieht es mit der Nutzung von Bus und Bahn aus? Das Thema „Bahn“ soll hier gar nicht erst näher beschrieben werden. Wie die vielen Bahnhöfe aussehen, die man mit einem Rollator oder Rollstuhl erst gar nicht erreichen kann, ist sicherlich jedem bekannt. Doch wie sieht es denn mit den vorhandenen Bussen im Oberbergischen aus? Mein Fazit: Sehr gut! Fast alle Busse, auch die kleineren, besitzen schon von außen Zeichen, dass sie für Rollatoren und Rollstühlen geeignet sind. Auch die Fahrer sind geschult und können, wenn sie an den Haltestellen einen Rollator oder Rollstuhl sehen, den Bus absenken und sogar eine Rampe ausklappen. Im Bus selbst gibt es separate Sitzplätze und Meldeknöpfe für einen Ausstiegswunsch.

Bedenklich sind die Haltestellen selbst. Die meisten sind weder barrierefrei noch für Rollatoren und Rollstühle geeignet. Es fehlen u.a. die entsprechenden Bordsteinkanten, die bei Absenkung des Busses einen Ein- und Ausstieg mit dem Rollator erleichtern. Weiterhin fehlen oft zweckmäßige Wartesitze. Aber auch das problematische Erreichen der Haltestellen selbst hält viele Senioren davon ab, den öffentlichen Personennahverkehr zu nutzen.

Schließlich lässt die Standardausstattung eines Rollators zu wünschen übrig. Oft sind erforderliche rote (nach hinten) und weiße (nach vorne) Reflektoren nicht vorhanden, noch öfter fehlt eine Klingel und eine Rückenlehne ist nur gegen Aufpreis zu erhalten. Viele Rollatornutzer fragen nach einem Regenschirm, der am Rollator angebracht werden kann. Nun, der Schirm ist oft vorhanden, nur die erforderliche Anbringungsmöglichkeit am Rollator fehlt überall und ist nur gegen einen hohen Aufpreis zu erhalten. Viel nützliches Zubehör sollte zur Standardausrüstung eines Rollators gehören!

Pflegedienste und Beratungsstellen kommen zu dem Ergebnis, dass der Umgang mit einem Rollator gelernt sein will. Es bedarf daher einiger Tipps & Tricks. Hierzu wird ab 12. April 2017 (10:30 Uhr) in Wiehl wieder ein ca. einstündiger Rollatorkurs angeboten, der jeweils in fünf Terminen eine künftige sichere Handhabung mit dem Rollator ermöglicht. Ob es der aufrechte Gang im Rollator und nicht der weit hinter dem Rollator ist, das Überwinden von Hindernissen oder das Zusammenlegen des Rollators, das alltägliche Handling soll geübt werden, so auch in einem Omnibus der OVAG. Vor Einstieg in die einzelnen Übungen wird ein Rollatorcheck durchgeführt. Hierbei wird insbesondere die richtige Höhe der Griffe geprüft und auch die Bremsen werden richtig eingestellt. Außerdem erhalten die Nutzer und die Nutzerinnen des Rollators eine Aussage darüber, ob der Rollator überhaupt noch verkehrstauglich ist und evtl. ersetzt werden sollte.

Wenn der Kurs aufgrund von schlechtem Wetter nicht im Freien stattfinden kann, steht eine Halle zur Verfügung. Hier sind Parcours aufgebaut, deren Stolperfallen ebenso gemeistert werden müssen, wie die im normalen Straßenverkehr. Weiterhin soll anhand von Anwendungen aus der Ergo- und Physiotherapie die körperliche Fitness des Rollatornutzers gesteigert werden. Für den kostenpflichtigen Kurs, der insgesamt fünf Termine beinhaltet und für max. sechs Personen ausgelegt ist, sind Anmeldungen beim Demografiebeauftragten der Stadt Wiehl unter der Telefonnummer 02262-99275 und -274 sowie unter der E-Mail-Adresse d.dresbach@wiehl.de erforderlich. Da der Kurs ein Angebot des TUS Wiehl ist, konnten die Kursgebühren auch in diesem Jahr auf günstige 20,-- € pro Person niedrig gehalten werden.

Dieter Dresbach, Demografiebeauftragter & IMUDA-Rollator-Kursleiter