Kindern Zeit schenken: Verein Lebensfarben sucht Paten für Jungen und Mädchen

(20. Juni 2018) Wenn David mit seiner Patin Kerstin Bonn einmal in der Woche einen Nachmittag verbringt, kann er seinen Alltag in seiner Familie mit einer psychisch kranken Mutter hinter sich lassen. Der 15-jährige David ist eines von sieben Kindern, das im Laufe des vergangenen Jahres über den Wiehler Verein Lebensfarben eine Patin gefunden hat. Weitere neun Kinder hoffen aktuell darauf, dass sich Paten finden, die ihnen einmal in der Woche ein paar Stunden Zeit schenken.
Der Wiehler Verein, der diesen Sommer seinen ersten Geburtstag feiert, füllt eine Lücke: Während Erwachsene mit einer psychischen Erkrankung oder einer Suchterkrankung Hilfe finden, fallen ihre gesunden Kinder durch das Raster des professionellen Hilfesystems. Doch die Erkrankung der Eltern führt für Kinder und Jugendliche oft zu einer dauerhaften Belastung.

Vor einem Jahr ist der Verein Lebensfarben angetreten, um Paten auszubilden und an Kinder und Jugendliche im gesamten Kreisgebiet zu vermitteln, deren Eltern an einer psychischen Erkrankung oder einer Suchterkrankung leiden. Der Verein berät und begleitet Eltern und Kinder, die einen Paten suchen, und bietet Einzelgespräche und Gruppentreffen an. Auch die Paten werden über ihre Ausbildung hinaus betreut „Das Konzept trägt Früchte“, freut sich Geschäftsführerin Sandra Karsten.

Die Mutter des 15-jährigen David war während eines Klinikaufenthaltes von einer Krankenschwester auf den Verein aufmerksam gemacht worden. Heute ist sie sehr froh über die Unterstützung, die sie und ihr Sohn gefunden haben. Mit seiner Patin Kerstin Bonn unternimmt David Spaziergänge an der Bruchertalsperre, trifft sich mit ihr zum Spielenachmittag oder wird von ihr unterstützt, um seinem Job als Zeitungsausträger nachzukommen.

Patin Kerstin Bonn war über die Presse auf den Verein aufmerksam geworden. Nach ihrer Ausbildung zur Patin traf sie David. „Schon das erste Kennenlernen mit David und seiner Familie und Frau Karsten war in jeder Hinsicht ein voller Erfolg“, erinnert sich Kerstin Bonn. „David hat am Ende der Gesprächsrunde aus vollem Herzen der Patenschaft mit mir zugestimmt. Ich war überwältigt.“ Seither treffen sich die beiden einmal pro Woche. Dass David nach jedem Nachmittag mit seiner Patin fröhlich nach Hause komme, sei eine Erleichterung, berichtet Davids Mutter. Gerne würde sie auch ihre Tochter in das Patenprogramm übergeben, doch leider gebe es derzeit nicht genug ehrenamtliche Paten.

Geschäftsführerin Sandra Karsten bietet am 11. Juli den nächsten Info-Abend für interessierte Paten an. Das unverbindliche Treffen findet um 19.30 Uhr in den Vereinsräumen in der Mühlenstraße 7 in Wiehl statt. „Der Bedarf ist groß“, weiß sie. „Betroffenen Eltern fällt es leichter, sich Hilfe für ihre Kinder über unseren Verein zu suchen, statt zum Jugendamt zu gehen.“ Bislang sind es vor allem Frauen, die sich ehrenamtlich engagieren. Gesucht sind aber auch Männer, die gut mit Jungs umgehen können. Aufgrund vieler Anfragen betroffener Eltern gibt es seit Juni eine Gesprächsgruppe für betroffene Eltern. Das niederschwellige Angebot kommt an. Die Qualität der Arbeit überzeugt auch Kooperationspartner wie die Oberbergische Gesellschaft zur Hilfe für psychisch Behinderte, Jugendämter und das Gesundheitsamt des Oberbergischen Kreises. „Durch die Kooperationen haben wir vielseitige Unterstützung und die Möglichkeit, uns fachlich auszutauschen“, freut sich Sandra Karsten. Derzeit finanziert sich der Verein über die Förderung der Karl Bröcker Stiftung, die für die ersten beiden Jahre die Anschubfinanzierung übernommen hat. Auch Spenden von der Stiftung der Kreissparkasse Köln, der Sozialstiftung der Stadt Wiehl und private Spenden ermöglichen die Finanzierung von Supervision, Patenschulungen und Gruppentreffen. „Wir müssen uns jetzt Gedanken darüber machen, wie wir das dritte und vierte Vereinsjahr finanzieren“, sagt Vereinsvorstand Rolf Trapp. Hoffnung setze der Verein unter anderem in die Pläne der Bundesregierung, die Kinder und Jugendliche psychisch kranker und suchtkranker Eltern künftig besser unterstützen will.

„Dass es ein Loch in der Versorgung gab, war uns bewusst. Aber dass der Verein von Netzwerkpartnern und Betroffenen so gut angenommen wird, hatten wir nicht zu hoffen gewagt. Das ist toll“, fassen Rolf Trapp und Sandra Karsten ihre Erfahrungen nach einem Jahr Arbeit zusammen.

Weitere Infos zu dem Verein gibt es unter www.lebensfarben-oberberg.de, und für Rückfragen/Anmeldung zum Beispiel zum Info-Abend für ehrenamtliche Paten am 11. Juli ist Sandra Karsten unter der Mailadresse kontakt@lebensfarben-oberberg.de oder telefonisch unter 02262/ 794 95 46 zu erreichen.