Andreas J. Meyer
Erinnern Sie sich auch noch an den Schrecken, den die kleinen gelben Reclamheftchen auslösten, als Sie zur Schule gingen? Und trotzdem können Sie sich heute keinen Tag ohne Lesen vorstellen?
Mike Altwicker spricht diesmal mit dem Verleger Andreas J. Meyer über Literatur, das Lesen, Literaten und den Literaturbetrieb, über Janosch und andere Weggefährten, den Friedenspreis 2011 und einen der wichtigsten Literaturprozesse in der Geschichte der Bundesrepublik. Seit 55 Jahren ist Andreas J. Meyer in Sachen Literatur und Merlin-Verlag aktiv.
Andreas J. Meyer wurde am 18. Dezember 1927 in Hamburg geboren. Sein Vater, der liberale Hamburger Landgerichtspräsident R. J. Meyer, wurde 1933 zwangspensioniert und als Vorsitzender des Hamburger Kunstvereins entfernt. Seine Mutter Lilly war Pianistin.
Meyer absolvierte eine Lehre als Verlagsbuchhändler. Anschließend reiste er eineinhalb Jahre als Betreuer einer von der brasilianischen Goethe-Gesellschaft und vom Börsenverein in Frankfurt organisierten Buchausstellung in Brasilien, Uruguay und Argentinien. Er entschied sich später für ein Studium der Kunstgeschichte, Soziologie und Politischen Wissenschaften in Hamburg, das er durch seine Arbeit im Chronos Bühnenverlag finanzierte. Weil avantgardistische Theaterautoren bei Chronos nicht angenommen wurden, begann er selbstständig als Bühnenverleger zu arbeiten. Am 30. November 1957 gründete er in Hamburg schließlich offiziell den Merlin Verlag.
Der Merlin Verlag ist ein unabhängiger deutscher Verlag, dessen Programm sowohl Buchpublikationen und Bühnenstücke als auch Grafiken umfasst. Er wurde 1957 von Andreas J. Meyer gegründet und zählt seither zu den wichtigsten Kleinverlagen Deutschlands.
1984 erhielt der Merlin Verlag den ersten „ZEIT-Preis für kleinere Verlage“.
„[...] Am höchsten zu rühmen beim großen Verleger eines ‚kleinen Verlages‘: (Andreas) Meyer hat, wie nicht viele, Autoren die Treue gehalten. Über [...] Jahrzehnt(e) hat er Bücher verlegt, nicht weil er sie verkaufen konnte, sondern wollte – und weil er sie für wichtig hielt [...].“ Die ZEIT
„Und wir wissen, dass Merlin-Meyer mit dem Merlin Verlag ganz prachtvoll gewütet hat im Lande und prozessiert und gekämpft, all das ist Legende. Übrigens scheinen dabei alle, die ihm nahe gekommen sind, ein paar Schrammen abbekommen zu haben [...]. Und gelobt seien die Schrammen und die Kratzer und die Menschen, die sich uns so in den Weg stellen, dass wir welche abbekommen.“ R. Detje
