Knallendes politisches Kabarett

(10. Februar 2019) „Hauptsache es knallt“, heißt es bei Robert Gries. Und so knallte er erst einmal dem Publikum im Burghaus Bielstein so einiges über Fake-News und Donald Trump um die Ohren. Passenderweise trug er dazu zunächst eine Papiermaske mit dessen Konterfei – und schoss dabei mit scharfem Witz.
„Lassen Sie es raus, wenn Ihnen etwas gefällt“, forderte der Kabarettist. Das sei dann eine klassische Win-Win-Situation. Robert Gries bot eine gute Mischung aus Stand-up-Kabarett und seiner komischen Figur Herr Stapper, einem Familienvater auf Hartz IV aus dem „echten kölschen Assi-Adel“. Der mischte schon mal gerne die Elternversammlung in der Waldorfschule als Sex-Couch im Jogginganzug auf. Als revoltierender Rächer der Unterschicht. Seit 14 Jahren gebe es Hartz IV – und „ich bin von Anfang an dabei“, sagt Stapper. Und das Lebensmotto von Stapper? Natürlich: „Hauptsache, es knallt!“ – und dazu erklärt er, warum er als abgehängtes Prekariat trotzdem nicht auf die AfD hereinfalle. Nicht nur mit dieser Figur erzeugte Gries einen hohen Lach-, aber auch Nachdenkfaktor.

Abwatschen der Spitzenpolitiker gehörte natürlich auch dazu. Merkels Regierungszeit werde wohl als Merkelscher-Biedermeier-Buddhismus in die Geschichtsbücher eingehen. Sie mache nichts – aber dies in sich ruhend wie ein Hydrant. Seehofer sei der bayerische Problembär, der immer als weißer Hai losschwimme und als Seepferdchen ankomme. Aber schon der Österreicher Karl Kraus wusste: „Wenn die Sonne tief steht, werfen auch Zwerge lange Schatten“. Was Gries noch bemängelte: leider habe man den BWL-ern die Weltherrschaft überlassen. Dass im Saal des Burghauses einige dieser Spezies saßen – die sich auch noch outeten -, ließ ihn kalt und auch die mussten sich den Hinweis gefallen lassen, dass BWL-er schon in der Schule die „größten Luftpumpen“ waren. Um die Bundeswehr machte er sich auch Sorgen, denn die sei bald Anwärter auf den Friedensnobelpreis, da von der Leyen mit dem Equipment offensichtlich den Ehrgeiz habe, diese Auszeichnung einzuholen. Für den Frieden im Nahen Osten schlug Gries den rheinischen Friedensplan vor. Anstatt Bomben lieber Paletten mit Dosenbier und rheinisches Liedgut abwerfen. „Wenn der Muselmann erst mal schunkeln kann, dann wird die Welt ganz friedlich sein“. Schunkeln sei ein Ausdruck menschlicher Solidarität – gerade in Karnevalszeiten erhielten auch Betrunkene dadurch Stehfestigkeit. So hagelte es viele Spitzfindigkeiten in der abwechslungsreichen Kabarett-Show mit hohem Lachfaktor und inhaltlicher Relevanz. Sogar ein Drama mit Prolog und Gesangseinlage des Publikums gehörten dazu. Und zum Mitnehmen hatte Gries auch noch was dabei. Der Kabarettist ist seit 30 Jahren Wahlkölner. Er wohnt dort, wo sich italienische Sorglosigkeit mit rheinischer Inkompetenz gepaart hat, wie er sagt. Und er mit „Köln – Satirisches Handgepäck“ eine satirische Abrechnung mit der rheinischen Metropole vorgelegt, die sich liest wie eine Einführung in die kölsche Seele: ein Crash-Kurs für Alteingesessene und Besucher. Den Crash-Kurs bei dem es Gries das Publikum auf höchstem Niveau zum Lachen brachte zelebrierte er an diesem Donnerstagabend schon mal im Burghaus.

Vera Marzinski

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Fotos: Vera Marzinski