Schräger Musik-Mix im Burghaus

(10. November 2019) Sie bezeichnen ihren Folk-Mix aus russischen, ukrainischen, jüdischen und orientalischen Elementen, den sie mit Latin- und Balkan-Grooves anreichern, als schräg. Die Musik von „Hot Stop Banda“ ist Balkan-Beat, Gypsy-Boogie, Gangster-Swing und Soviet-Tango. Und es mischt sich sogar französische Musik mit hinein. In der heutigen Zeit sei es wichtig, an das Multikulturelle zu denken, betonte Kulturkreis-Geschäftsführer Joachim Klein, und da passte diese Band ganz besonders.
Denn wenn ein Jude, ein Chilene, ein Russe, ein Deutscher und ein Tatare aufeinandertreffen, klingt das zuerst nach einem politisch unkorrekten Witz. Und wenn dann auch noch ein Kontrabass, eine Gitarre, ein Akkordeon, ein Saxophon sowie eine Flöte ins Spiel kommen, klingt das nach Hot-Stop! Die fünf Musiker kommen aus verschiedenen Ländern, leben aber in Köln-Porz. Deshalb haben sie auch etwas „kölsche Folklore“ im Programm. Komischerweise käme die Hot-Stop-Banda-Überarbeitung ihres Stückes „Kölle“ in der Stadt am Rhein nicht so gut an, erzählte Sava Freudenfeld – Sänger und Drummer der Band. Aber in der Schweiz begeisterten sie damit das Publikum sofort – und auch in Bielstein. Sie sind eine Vereinigung experimentierfreudiger Künstler: Gitarrist Rifkat Daukaev, Keyboarder und Akkordeonist Leonid Röttig, der Chilene Sergio Teran an Saxophon, Flöte und Percussion sowie Bassist Micha Duboff neben Sava Freudenfeld, dem Kopf und Moderator der Band. Kletzmer Grooves und Polka sind da ebenso vertreten wie ein Samba. Meist geht es um die Liebe, wie bei dem alten russischen Hippielied aus dem 18. Jahrhundert. Und in dem Stück geht es auch um Haare – wenn die Haare nicht nur auf dem Kopf, sondern auch aus den Ohren wachsen. Viel Witz haben die fünf Musiker sowieso. Sie schrecken sogar nicht davor zurück, das Experiment im Burghaus zu wagen, den Paartanz wieder aufleben zu lassen. Dafür schenkten sie dem Publikum einen speziellen Tango. Die Musik begeisterte die Gäste – aber mit dem Tanzen klappte es bei den meisten dann doch nicht. Vor zwei Jahren waren „Hot Stop Banda“ in Korea und brachten auch von dort ein Lied mit. Das „Okay“ aus diesem Stück sang das Publikum natürlich bereitwillig mit. Eine Hymne auf alle Straßenmusiker durfte bei „Hot Stop Banda“ auch nicht fehlen. Das „Mariachi“ werde in Mexiko von Musikern mit großen Sombreros und goldenen Zähnen gesungen. In Russland singe man es mit Balaleika und – goldenen Zähnen, erklärten sie. Viel drum herum erzählte Savan zu den Stücken und eins wurde an diesem Abend deutlich: die Formation aus verschiedenen Kulturen setzt nicht auf Gegensätze und Kontraste, sondern auf Gemeinsamkeiten. Obwohl – oder vielleicht auch gerade weil sie in mehreren Sprachen singen, kam die Musik sehr gut an.

Vera Marzinski

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Fotos: Vera Marzinski