Seven Nights of Fun: Ruscher hat Vorfahrt im Burghaus

(15. November 2019) Vorrang vor allen anderen hatte Barbara Ruscher am ersten Abend der „Seven Nights of Fun“ im Burghaus Bielstein, denn sie eröffnete mit ihrem Programm „Ruscher hat Vorfahrt!“ eine Woche mit viel Humor. Nach dem großen Erfolg im letzten Jahr finden die Fun-Tage des Kulturkreises Wiehl bereits zum zweiten Mal statt.
In der „Wiehler Carnegie Hall“ fühlte sich Ruscher gleich wohl und plauderte sofort mit Armin aus der ersten Reihe. Sein Hobby Angeln begeisterte sie weniger – „es gibt auch super Hobbies für Männer“ kommentierte sie das. Ein Liegerad gehörte da allerdings nicht zu, über das sie im Verlauf des Abends sang und ein E-Bike sei die „Ü-40-Drohne“ für Raser.

Beim Köln-Comedy-Festival führte Barbara Ruscher jüngst als Moderatorin durch den Abend, kürzlich war sie noch bei der Ladys Night und auch im Hörfunk ist sie des Öfteren zu hören – da braucht sie ja fast eine Doppelgängerin. Ein Barbara Ruscher Double im Burghaus? Sie regt sich gerne auf – über die Raser in der Kölner Innenstadt, Kindergeburtstage, über Gangsta-Rapper und Ausmalbücher. So eins hat sie von ihrer Freundin Sabine zum Geburtstag bekommen. Sie könne sich ja auch bei einem Ausmal-Event anmelden, schlug die Freundin vor. Klar, dass auch aus sowas wieder ein Event gemacht werde, regt Ruscher sich auf – allerdings „braune Nazis bunt anmalen, da würde ich mitmachen“. Leute mit viel Frust, die den in ihrem Ausländerhass auslebten besang sie und auch die Selbstoptimierung in der Gesellschaft, wo Dorle eine Detox-Schorle trinkt und jeder mit einem Fitness-Tracker rumläuft. Beim Kindergeburtstag hat sie auf Retro gesetzt, erzählt sie, und mal die alten Spiele wie Sackhüpfen, Topfschlagen und Schokoladen-Wettessen rausgekramt. Doch das passte so gar nicht in die Kindergeburtstags-Event-Rankings. Zum Schluss gab es noch etwas aus „Fuck the Reiswaffel“, ihrem zweiten Buch in dem die preisgekrönte Kabarettistin Barbara Ruscher hoch amüsante Einblicke in die biologisch korrekte Familienwelt aus der Sicht eines frühgeförderten Kleinkindes gibt.

Sie hat den optimalen Mix zwischen aktuellen Kabarett, entlarvender Comedy und brüllend komischen Songs, die auch lange im Gedächtnis bleiben. So wie das „Nacktwanderwege in Brandenburg, schön!“. Sie überlegt, ob sie sich damit bei „The Voice“ vorstellt und vielleicht einen Echo dafür bekommen könne. Dem Herrn Nestle widmete sie auch ein Musikstück und sang mit dem Publikum „O liever jot, schenk uns Wasser für ganz Afrika“ und befand, dass bei dem Wassermangel doch wohl Wasser in den Beinen eine Wertanlage sei. Selbst habe sie die Luft vor ihrem Haus privatisiert. Wenn Leute vorbeigehen, müssten sie eine Maut für das Atmen auf der Strecke zahlen. „Was meinen Sie, warum Darth Vader so schwer atmet? Der hat vor meinem Haus die Maut geprellt“. Mit zwei Kindern im Teenie-Alter kennt sie sich aus mit dem Verhalten von Eltern auf dem Fußballplatz und dem Thema Schule. Aus G8 solle man G1 machen. Da könne Geschichte mit Musik verquickt werden: „Napoleon verlor in Waterloo, ABBA siegte damit“. Sie rapt und teilt damit an die Kollegahs und Farids aus – damit habe sie auch etwas von der Seuche der Hasskommentare abbekommen, aber offensichtlich auch genau die Klientel erreicht, die sie ein wenig durch den Kakao zog. Sie schreckt vor keinem Thema zurück und hat ihre eigene unverwechselbare Art – die erkennt man sofort. Deshalb: kein Barbara-Ruscher-Double in Wiehl. Ach ja – wer nicht alles behalten konnte von diesem Abend mit der scharfzüngigen, intelligenten und sich charmant über dies und das aufregenden Kabarett-Lady, für den hatte sie auch noch einen Tipp: „Nächste Woche bin ich im Senftöpfchen – Armin organisier das doch mal, dass alle mitkommen“.

Vera Marzinski

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  • Ruscher hat Vorfahrt im Burghaus
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Fotos: Vera Marzinski