Lyrik „Hell und Schnell“ mit Oliver Steller

(16. Februar 2020) Oliver Steller ist Rezitator und Musiker, der auf grandiose Weise Musik und Literatur verknüpft. Er war schon mit „Kurt Tucholsky“ und seinem „Rilke Projekt“ im Burghaus Bielstein bei Kulturkreis-Veranstaltungen. Diesmal hatte er den Schriftsteller, Dichter, Zeichner und Maler Robert Gernhardt (1937 – 2006) dabei.
Zwischen Geschichten aus dem Leben Robert Gernhardts wurden dessen Charakter und Gedichte durch Oliver Stellers Sprache und Gesang lebendig. Das Ergebnis: Ein unvergesslicher Abend, nicht nur für Literaturliebhaber. Gernhardts Gedichte sind leicht und humorvoll, eben sehr undeutsch. Kein Unsinn, sondern Nonsens. So, wie seine Vorbilder Wilhelm Busch, Christian Morgenstern und Loriot, ist Robert Gernhardt ein messerscharfer Beobachter und in einer Zeit, in der uns das Lachen schon mal im Halse stecken bleibt, ein gutes Gegengift, so Steller. Rappel voll war das Burghaus zur Veranstaltung mit dem Rezitator. Da gab es schon vorab Riesenapplaus. Gernhardt, der am gleichen Tag wie Heinrich Heine und Heino geboren ist – am 13. Dezember – wollte zunächst Maler werden, aber dafür war er dann doch zu ungeduldig – Gedichte gehen flotter, stellte er früh fest. Als Siebenjähriger flieht Gernhardt nach dem Tod des Vaters (1945) mit der Mutter und den jüngeren Brüdern nach Göttingen. „Die Oberleitung in meinem Leben“ nennt er seine Mutter, weiß Steller - passenderweise hat er an dieser Stelle im Programm das Lied „Mama“ ausgewählt. Im Jahr 1957 dann die Aufnahme Gernhardts an der Kunstakademie in Stuttgart. Doch ein „Stüble“ finden war nicht einfach - da ging er nach Berlin in eine WG, wo viel gemalt und gedichtet wurde. Für die Malerei ist er dann doch zu ungeduldig – Gedichte gehen flott.

Es folgt ein Wechsel von Lebensgeschichte, Gedichten und von Steller komponierten Stücken, die dieser mit Gitarrenbegleitung vorträgt. Die Ehe mit Almut Ullrich, die 1989 mit gerade mal 48 Jahren stirbt – dazu Stellers sehr gefühlvolle Vertonung von „Zur Beherzigung“, das zurzeit, laut seiner Homepage, sein Lieblingsgedicht ist. Die Gäste erfahren einiges über Gernhardts Pseudonyme, wie „Lützel Jeman“, was so viel heißt wie „Kleiner Niemand“, seine Tätigkeit für die Zeitschriften „Pardon“ und „Titanic“ und „Theo“. Letzterer bekannt durch Otto, aber die von Oliver Steller vorgetragene Version war fast noch besser. Gernhardts erster Gedichtband hieß „Wörter See“. Den hatte Steller nicht dabei, aber ein Werk mit allen 1.280 Gedichten, die der Schriftsteller geschrieben hat. Dass Steller das Publikum im Burghaus für Gernhardts Gedichte begeistern konnte, sah man an den vielen Gedichtbänden, die an diesem Abend mitgenommen wurden. Darin auch das „Diät Lied (mit Ohrfeigenbegleitung)“ und natürlich „Siebenmal mein Körper“ – beide ließ Steller mit seiner sonoren Stimme das Bielsteiner Publikum hören. Oliver Steller, Jahrgang 1967, hat seine Liebe zur Literatur nach der Schule wiederentdeckt. Seitdem vertont er Gedichte. Im Anschluss an ein Musikstudium in den USA und einem Jahrzehnt als freischaffender Musiker, gab der Gitarrist und Sänger 1995 sein Debüt als Rezitator. Die FAZ bezeichnet Oliver Steller heute als „Stimme deutscher Lyrik“. Immer hat er seine alte, schwarze Aktentasche dabei – die „lyrische Notfalltasche“, in der sein Programm auf Zetteln, die Gesamtausgabe von Gernhardts Gedichten und natürlich seine Lesebrille sei, wie er dem Publikum verrät. Momentan arbeite er an einem neuen Heine-Programm – eins gab es schon 2009. Besonders die mit spitzer Feder geschriebenen Gedichte seien gerade heute hinsichtlich der Themen Politik, Kirche und Antisemitismus. Die Burghausgäste warten nun gespannt auf dieses neue Programm, aber an diesem Abend gab es zum Schluss dann noch das „Abschied“ von Robert Gernhardt.

Vera Marzinski

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Fotos: Vera Marzinski