Äußerst informativ und spannend waren die Geschichten rund um die einzelnen Stücke. So zu dem italienischen Komponisten Muzio Clementi, der zu dieser Zeit – im 19. Jahrhundert - in London lebte. Eine Zeit, in der das Klavier immer populärer wurde und die professionellen Pianisten sich fast Gladiatorenkämpfe boten, so Vidovic. Einer davon war Clementi – von ihm spielte Vidovic den ersten Satz aus der „Sonata quasi Concerto“. Clementi war auch an der technischen Entwicklung der Klaviere beteiligt, aber als Komponist für die Romantik uninteressant – er lebte 80 Jahre gesund und glücklich und reich, erklärte Vidovic. So zog Vidovic mit spannenden Erklärungen einen roten Faden zwischen solchen Größen wie Chopin, Schubert oder Liszt und mit ihren beeindruckenden Klavierwerken. Auch Liszt sei ein Gladiator der Bühne gewesen sein. Ein Popstar seiner Zeit. Er und Chopin entwickelten die Spieltechnik auf hohem Niveau. So die „Etüde As-Dur Opus 25 Nr. 1“, auch bekannt als „Harfen-Etüde“ von Frederic Chopin. 80 Noten mit rund 1.200 Noten Beiwerk, die Vidovic leicht und elegant spielte.1989 fiel die Mauer und Vidovic kam als 18-Jähriger nach Wiehl, so Kulturkreis-Vorsitzender Werner Becker-Blonigen. Er sei als Pianist und Klavierlehrer hier heimisch geworden. Seine Weltoffenheit und kulturelle Vielfalt sei besonders. Ein großes Anliegen sei für den 1971 in München geborene Pianisten das Thema Sarajevo als Kind des Jugoslawien-Konflikts. Immer wieder halte er ein Plädoyer für eine Friedensordnung, so Becker-Blonigen. Vidovic baue eine musikalische Brücke für eine gute Zukunft und setze immer einen Akzent in seiner Vermittlung von musikalischem Wissen. So auch an diesem Freitagabend in Bielstein, wo er den Gästen die Musik und deren Komponisten näherbrachte. Chopin habe in der Reinheit der Musik und der Melodik die Klaviermusik sehr weit vorangebracht, schwärmte Vidovic. Eins seiner schönsten Werke sei das „Scherzo b-Moll Opus 31“. Das brachte er natürlich dann für das Bielsteiner Publikum zu Gehör. Auch zu Franz Schubert wusste er einiges zu erzählen, von dem er „Impromtus Es-Moll D946“ spielte. Nach den Romantikern gab es weitere große Komponisten, so Vidovic. Mit George Gershwin sei es für die klassischen Pianisten noch mal etwas schwerer geworden. Es kam eine Zeit der kulturellen Verschmelzung. Gershwin brachte Klassik und Jazz einander näher. Die eigene Harmoniewelt, die seit Bach und Chopin immer gleich sei, kollidierte mit den Akkorden des Jazz. So sei so ein Werk wie „Rhapsody in blue“ eine Gladiatorennummer für den Klassiker. In Bielstein brillierte Vidovic mit dem Stück. Zum Schluss kredenzte er als Zugabe noch ein Stück von Chopin.
Vera Marzinski
Fotos: Vera Marzinski






